Kirchliche Feiertage im Mai

Himmelfahrt (in diesem Jahr am 5. Mai)

von Ines Dietrich

Seit dem 4. Jahrhundert feiern Christen vierzig Tage nach Ostern das Fest „Christi Himmelfahrt“. Die Grundlage dafür findet sich in der Apostelgeschichte. „Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn (Jesus) ihren (den Jüngern) Blicken“. Nachdem Jesus sich nach Kreuzigung und Auferstehung vierzig Tage lang noch einmal seinen Freunden gezeigt hatte, kehrt er nun endgültig zu Gott, also in den Himmel zurück. Auf alten Bildern sieht man diesen Vorgang sehr wortgetreu: Da verschwindet Jesus in einer Wolke, die nach oben steigt. Im Mittelalter wurde der Vorgang im Gottesdienst dem staunenden Glaubensvolk sehr plastisch dargeboten. Zwei Engelsfiguren schwebten, an Seilen heruntergelassen, zum Altar und nahmen die hölzerne Jesus-Figur mit nach oben, wo sie in einer Luke verschwand. Diesen Brauch gibt es übrigens in einigen Gegenden Südtirols noch immer. Inzwischen ist das Verständnis längst ein anderes. Der Himmel ist kein geografischer Ort, sondern überall da, wo Gott wirkt – ein bisschen so wie im Kinderlied: „Weißt du wo der Himmel ist ...“ Himmelfahrt bedeutet, dass Jesus „bei Gott“ und nicht mehr im Tod gefangen ist, sozusagen eine Verstärkung der Osterbotschaft und noch mehr: Durch seine Himmelfahrt geht Jesus ein in die alles durchdringende Wirklichkeit Gottes – er verschmilzt sozusagen mit ihm. Der Himmel ist kein geografischer Ort, sondern der Herrschaftsbereich Gottes. Im englischen Sprachraum gibt es deshalb auch zwei Begriffe: „sky“ für den „profanen“ und „heaven“ für den religiösen Himmel. Bis in das 4. Jahrhundert hinein wurde Christi Himmelfahrt an Pfingsten quasi mitgefeiert. Ab dem Jahr 370 ist Christi Himmelfahrt dann als eigenständiges Fest 40 Tage nach Ostern historisch belegbar. Christi Himmelfahrt ist ein gesetzlicher Feiertag und wird gerne genutzt, um Ausflüge zu machen. Auch das hat eine alte Tradition, denn eine Bauernregel sagt: „Nun Pelz und Muff verwahrt, der Herr hält Himmelfahrt“ – Himmelfahrt ist sozusagen der Übergang vom Frühling in den Sommer, hat also mit Erneuerung zu tun und damit, „frischen Wind um die Seele wehen zu lassen“. In heidnischer Zeit wurden bei „Flurprozessionen“ mit viel Lärm und Geschrei die letzen Winter-Unholde aus den Feldern getrieben.

Pfingsten (in diesem Jahr am 15.+16. Mai)

Pfingsten ist das „Fest des Heiligen Geistes“ und nach Weihnachten und Ostern das dritte Hauptfest im Kirchenjahr. Der Name geht auf das griechische Wort „pentekoste“ (der Fünfzigste) zurück, weil das Pfingstfest seit Ende des vierten Jahrhunderts fünfzig Tage nach Ostern gefeiert wird. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes wird Pfingsten auch als Geburtstag der Kirche und Beginn der weltweiten Mission verstanden. In der Apostelgeschichte wird es so geschildert: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle (die Jünger) am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“. Die biblische Pfingstgeschichte will zeigen: Jesu Handeln und Reden kommt bei unterschiedlichen Menschen an, es begeistert, schafft Gemeinschaft und setzt in Bewegung. Christen und Christinnen führen diese Wirkung auf die schöpferische Kraft des Heiligen Geistes zurück. Gottes Geist, den sich viele weiblich denken (das hebräisch Wort „ruach“ ist weiblich), wird in der Bibel als dynamisch geschildert: Er ist belebend wie der Hauch des Atems, kraftvoll wie der Sturm, verzehrend wie das Feuer. Auf die Pfingsterzählung des Neuen Testaments dürfte auch die Redewendung „Feuer und Flamme sein“ zurückgehen. Der Heilige Geist kann nicht erzwungen, sondern nur erbeten werden. Er zeigt sich in Momenten menschlicher Kommunikation oder in Texten, die zunächst nichts als eine Ansammlung von Buchstaben sind. So kann man den 23. Psalm („Der Herr ist mein Hirte“) 100 Mal lesen und hören, ohne dass er einen berührt. Und plötzlich, beim 101. Mail, begreift man: Ich bin gemeint. Das kann ein Moment von „Geistesgegenwart“ sein. Wenn der Heilige Geist schöpferisch wird, wenn Gott in Aktion tritt, wird das Wort verstanden, ergreift und verwandelt es seine Hörer. Aber diese dolmetschende Funktion des Geistes lässt sich nicht organisieren, er weht, wo er will. Im Kirchenkalender endet mit Pfingsten die österliche Festzeit. Die Ausgießung des Heiligen Geistes wurde früher in einigen Gottesdiensten an Pfings ten durch das Herablassen einer hölzernen Taube in der Kirche dargestellt.

Fronleichnam (in diesem Jahr am 26. Mai)

Fronleichnam ist einer der wichtigsten katholischen Feiertage im Jahr. Er wird alljährlich am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, also dem Sonntag nach Pfingsten, gefeiert. Abhängig von den Osterfeiertagen fällt er frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. Das Wort „Fronleichnam“ hat seinen Ursprung im Mittelhochdeutschen – „Vron“ steht für „Herr“ und „Lichnam“ für Leib, wobei die Bedeutung nicht dem modernen Verständnis von Leichnam (nämlich dem toten Körper) entspricht, sondern ganz im Gegenteil dem lebendigen Leib. Fronleichnam bedeutet also „Fest des Leibes Christi“ und gefeiert wird das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi. Das hängt eng mit dem letzten Abendmahl zusammen, bei dem Jesus, nach Verständnis der katholischen Glaubenslehre, seinen Jüngern den lebendigen Leib des Herren in Form des Brotes und des Weines übergeben hat. Das Brot symbolisierte den Leib, der Wein das Blut. Die Katholiken erinnern also an Fronleichnam an die Anwesenheit Jesu in Gestalt von Brot und Wein bei jeder Messe. Entstanden ist der Feiertag, weil die Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209 mehrmals eine Vision hatte: Ihr erschien eine Mondscheibe mit einem schwarzen Fleck. Christus soll ihr offenbart haben, dass der Mond das Kirchenjahr symbolisierte und der Fleck ein fehlendes Fest zu Ehren der Eucharistie. 1246 wurde das Fest im Bistum Lüttich eingeführt. Papst Urban IV erklärte im Jahr 1264 Fronleichnam zum allgemeinen kirchlichen Fest und 1317 wurde der Feiertag von Papst Johannes endgültig weltweit angeordnet. Der wichtigste Teil des Fronleichnamsfestes ist die heilige Messe, deren liturgische Texte sich auf das Geheimnis der Eucharistie beziehen. Vielerorts wird dieser Gottesdienst im Freien gefeiert. Es folgt die Prozession, bei der die Gläubigen die vom Priester oder Diakon getragene Monstranz mit einer konsekrierten Hostie durch die Straßen begleiten. Vielerorts sind die Straßen mit Blumenteppichen geschmückt, die Menschen beten und singen gemeinsam. Die heutige Sinngebung der Prozession geht in der Regel vom Bild des „wandernden Gottesvolkes“ aus, dessen Mitte Christus, „das Brot des Lebens“, ist. Heute ist Fronleichnam nicht mehr überall Feiertag. In Österreich ist der Tag noch für alle frei, in der Schweiz und in Deutschland ist die Regelung regional verschieden. In Deutschland ist Fronleichnam ein Feiertag in Baden- Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland- Pfalz und im Saarland. In Sachsen nur in einigen, bestimmten Gemeinden im Landkreis Bautzen und im Westlausitzkreis und in Thüringen nur in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung.

Editorial August September 2020

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Silke Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

 

in vielen Kirchengemeinden unserer Stadt suchen sich Konfirmandinnen und Konfirmanden für den Tag ihrer Konfirmation ein Bibelwort aus, das sie auf dem weiteren Lebensweg begleiten soll. In unserer Gemeinde wurde in den letzten Jahren häufig ein Satz des Apostel Paulus aus seinem Brief an die Römer gewählt: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ (Römer 12,21) Und das, obwohl wir im Konfirmandenunterricht eigentlich nie explizit über „das Böse“ gesprochen haben. Deutlich wird: Egal ob jung oder alt – wir alle teilen die Erfahrung, dass es Kräfte, Energien, konkrete Taten gibt, die Leben behindern, schwer machen, manchmal sogar zerstören und die wir deswegen „böse“ nennen. Manchmal kommen sie von außen auf uns zu, manchmal aber auch aus uns heraus. Immer wieder gibt es da auch ein unheimliches Wechselspiel zwischen innen und außen. Und es gehört zu einer der wenig erfreulichen menschlichen Grunderfahrungen, dass Böses, das durch irgendeinen Anlass in einem Leben Raum gewann, sich sehr leicht verstärken kann. Bisweilen so stark, dass es einen Menschen ganz beherrscht. Deswegen freuen wir uns sehr, dass Dr. Bernhard Diekmann in seinem Themenartikel sehr gewissenhaft der Frage nachgeht, was genau es mit „dem Bösen“ auf sich hat. Und dass er auch eine Antwort auf die wichtige Frage wagt, wie Christinnen und Christen mit dieser oft dunklen und belastenden Lebenserfahrung umgehen können bzw. könnten. Denn das ist doch auch die Hoffnung, die die Konfirmandinnen und Konfirmanden mit der Wahl des besagten Satzes aus dem Römerbrief zum Ausdruck bringen: dass es etwas Gutes gibt, das man dem Bösen entgegensetzen kann. Außerdem in dieser August September-KiM: die ersten Schlüsse, die der gerade 80 Jahre alt gewordene Theologe Eugen Drewermann und der Psychiater Jan Kalbitzer in epdInterviews aus der noch längst nicht ausgestandenen CoronaKrise ziehen. Oder die interessanten Infos über das jüdische Neujahrsfest im September. Oder der Beitrag der mittlerweile 60 Jahre alten Ausbildungshilfe, der uns erinnert, wie wenig es eigentlich braucht, um einer jungen Frau in Indien eine ganz neue Lebensperspektive zu eröffnen. Was auch immer Sie lesen werden: Wir wünschen Ihnen viele gewinnbringende Lesefrüchte!

 

 

Ihr

Christoph Seitz