Hilfswerk: Äthiopien bewegt sich auf Katastrophe zu

Trotz der bereits prekären Lage in Äthiopien steht der Höhepunkt der Hungersnot in Ostafrika laut Diakonie Katastrophenhilfe noch bevor. „Wir bewegen uns stetig auf eine Katastrophe zu“, sagte Clemens von Heimendahl, Leiter für das südliche und östliche Afrika dem Evangelischen Pressedienst (epd). Noch sei die Situation nicht so schlimm wie bei der Hungerkrise 2002. Damals habe es viele Kinder gegeben, die wie Skelette aussahen. „Die Weltgemeinschaft muss jetzt aber dringend reagieren, bevor der Höhepunkt der Krise in diesem Sommer eintritt.“ Die äthiopische Regierung geht von zehn Millionen Hilfsbedürftigen aus und die UN sprechen bereits jetzt von der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren. Ganz so dramatisch schätzt von Heimendahl die Lage noch nicht ein. Doch einige Landesteile seien infolge des Wetterphänomens El Niño von extremer Trockenheit betroffen. „Wenn man durch das Land fährt, sieht man chronische Mangelernährung bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen“, berichtete von Heimendahl. Das treffe vor allem auf die Region Afar im Nordwesten des Landes zu, die ohnehin zu den heißesten bevölkerten Gebieten der Welt zählt. Auch Malawi, Simbabwe, Swasiland und Lesotho im südlichen Afrika sind von außergewöhnlicher Trockenheit betroffen. Abgesehen von Nahrungsmitteln bräuchten die Menschen in dieser Situation dringend dürreresistentes Saatgut, sagte von Heimendahl. „Darein werden wir in nächster Zeit inves - tieren müssen, um den Leuten die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Nahrung anzubauen.“ Ob Besserung in Sicht ist, kann der Experte nur schwer einschätzen. Durch den Klimawandel sei schwer vorherzusagen, wie sich El Niño auswirken werde. Das Wetterphänomen sorgt in einigen Weltregionen für Dürre, während andere Gegenden von heftigen Regenfällen heimgesucht werden. Auch in Gebieten Ostafrikas habe es dadurch wesentlich mehr geregnet, sagte von Heimendahl. So herrsche im Osten Kenias zu dieser Jahreszeit normalerweise Dürre. „Als ich kürzlich für ein Hilfsprojekt in der Provinz Baringo war, haben wir uns ungläubig angeschaut. Dort war alles grün“, berichtete von Heimendahl. Was zunächst positiv für die Viehzucht sei, berge die Gefahr, dass die Herden bei einer folgenden Dürre noch mehr litten als sonst. Von Heimendahl bedauerte, dass trotz dieser schwierigen Situation nur wenig Spenden für die Region bei den Hilfswerken ankommen. „Ich weiß nicht, wie wir unser Ernährungsprogramm für Kleinkinder und stillende Mütter in Äthiopien in den nächsten Monaten finanzieren sollen.“

Editorial Oktober 2017

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Marie Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

woran denken Sie bei dem Wort „Buße“? Denken Sie vielleicht an das finsterste Mittelalter, als Menschen sich selber geißelten, um Gott gnädig zu stimmen angesichts von Höllenangst und Epidemien? Oder werden Sie eher erinnert an den letzten Bußgeldbescheid wegen Falschparken oder zu schnellem Fahrens? So oder so – „Buße“ hat für die meisten von uns einen eher düsteren, negativen Klang. Und wenn ein Satz wie: „Das wirst du mir büßen“ ausgesprochen wird, weiß jeder, was die Stunde geschlagen hat. Von daher ist auch nachvollziehbar, dass die wenigsten Menschen noch etwas anzufangen wissen mit dem Buß- und Bettag, der noch bis 1995 gesetzlicher Feiertag war. Manchmal aber wird das, was dieser evangelische Feiertag im Blick hat, mit Händen greifbar. Ich denke z. B. an jenen Mitfünfziger, der sich einer schweren Herzoperation unterziehen musste. Eine Herzklappe versagte den Dienst. Vermutlich ausgelöst durch eine übergangene Grippe. Angesichts der Tatsache, dass sein Leben plötzlich an einem seidenen Faden hing, stand für diesen Mann sein gesamtes bisheriges Lebenskonzept in Frage. „Wofür habe ich mich so abgeplagt all die Jahre? Warum hatte ich immer nur so wenig Zeit für Kinder, Frau und Freunde? Was habe ich gemacht mit meinen Träumen? Und: was für einen Wert hat das Ergebnis meiner Arbeit, die zwar gut bezahlt wurde, aber doch sehr vordergründigen Zielen dient?“ Im Grunde geht es beim Thema „Buße“ aus evangelischer Sicht immer um solche existenziellen Fragen: Wozu lebe ich? Wofür setze ich die mir von Gott anvertraute Lebenszeit ein? Haben die Prämissen meines Lebens noch etwas mit Gottes Willen zu tun? Es geht um eine radikal ehrliche Selbstreflexion vor Gottes Angesicht. Aber nicht mit dem Ziel der Selbstzerknirschung. Sondern mit der Chance eines Neuanfangs, einer Neuausrichtung des Lebens, bevor es womöglich zu spät ist. Professor Dr. Christoph Barnbrock trägt in unserem Themenartikel noch viele weitere wichtige und bedenkenswerte Aspekte zum Thema „Buße“ zusammen, die allesamt zeigen: Buße – richtig verstanden – ist und bleibt topaktuell! Eine KiM-Lektüre mit viel Gewinn wünscht Ihnen im Namen der Redaktion

  

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Christoph Seitz