Fußball-EM 2016: EKD steigt aus Public-Viewing-Angebot aus

Foto: Florian Wölwer_pixelio.de
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Fußball-Fans können die Spiele der Fussball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich nicht auf Großbildwänden in Kirchengemeinden verfolgen. Für die EM vom 10. Juni bis 10. Juli könne kein entsprechendes Public-Viewing-Angebot wie in den Vorjahren unterbreitet werden, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover mit. Grund seien vor allem die finanziellen Belastungen als auch der hohe Verwaltungsaufwand. Die Tarife der Gema für Public Viewing ohne Veranstaltungscharakter, worunter die kirchlichen Veranstaltungen fallen, hätten sich erheblich verändert, hieß es weiter: „Dies umfasst nicht nur eine Verdopplung der Lizenzgebühren, sondern auch eine umfassende Nachweispflicht der an die Kirchengemeinden ausgegebenen Lizenzen“, heißt es in einem dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegenden Brief der EKD an die Kirchengemeinden. Der Abschluss eines Pauschalvertrages zu bisherigen Bedingungen und ohne Regis - trierung der jeweiligen Gemeinden sei „trotz intensiver Bemühungen seitens der EKD“ leider nicht möglich gewesen. Wenn Kirchengemeinden aufgrund der bisherigen guten Resonanz Public-Viewing-Veranstaltungen zur EM 2016 anbieten möchten, sollten sie sich direkt mit der Verwertungsgesellschaft Gema in Verbindung setzen, hieß es. Für die Fußball- Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 hatte die Evangelische Kirche in Deutschland ein Kontingent von 1.200 kirchlichen Veranstaltern übernommen und komplett die Gebühren an die Musikverwertungsgesellschaft Gema gezahlt. Weitere Gemeinden mussten für die Übertragungsrechte einen Tarif von 80 Euro zahlen – 20 Prozent weniger als die üblichen Gebühren. Bei der Weltmeisterschaft 2010 hatten sich rund 2.000 Gemeinden für ein von der EKD rechtlich geregeltes Public Viewing registrieren lassen. In Deutschland gibt es rund 15.000 evangelische Kirchengemeinden. epd/GB

Editorial November 2018

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Silke Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

in den vergangenen Jahren wurde dem Islam sehr häufig ein ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt unterstellt. Vorgehalten werden dessen Vertretern dann gerne Suren aus dem Koran, die zum Kampf gegen Andersgläubige und zur Eroberung der Welt aufrufen. Fakt ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten viel Gewalt im Namen Allahs verübt wurde, allen voran durch Terrorgruppen wie Al-Quaida und Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates. Fakt ist, dass es auch in Deutschland muslimische Gruppen und Moscheen gibt, die einer radikalisierenden Auslegung des Korans zugetan sind. Fakt ist aber auch, dass die überwiegende Mehrheit der Muslime nicht nur in unserem Land diese gewaltbereite Auslegung des Koran entschieden ablehnen und sich für ihre Lebensausrichtung eher auf die Suren im Koran berufen, die zu einem friedvollen Umgang mit den Mitmenschen aufrufen. Was wir Christinnen und Chris ten oft vergessen: Auch in der Bibel gibt es viele Abschnitte, die im Namen Gottes zur Gewalt aufrufen und die in der Geschichte der Christenheit oft als Rechtfertigung für gewaltvolles Handeln herhalten mussten. Selbst nach Reformation und Aufklärung war es in der Nazizeit möglich, Antisemitismus und die millionenfache Ermordung von Juden mit Stellen aus dem Johannesevangelium zu sanktionieren. Noch heute werden weltweit Homosexuelle von Christinnen und Christen unter Berufung auf einzelne Sätze aus Paulusbriefen diskriminiert und verfolgt. Und mitten in Deutschland wird die körperliche Züchtigung von Kindern immer noch gerne gerechtfertigt mit dem einem biblischen Satz aus dem Buch der Sprüche: „Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn; aber wer ihn lieb hat, züchtigt ihn beizeiten.“ (Spr. 13,24) Professor Rainer Kessler setzt sich in unserem Themenartikel mit einer der gewaltvollsten Erzählungen der Bibel auseinander und macht deutlich, wie nötig ein differenzierter Umgang mit der Quellschrift unseres christlichen Glaubens ist und bleibt, um der Gefahr der Einseitigkeit und der Radikalisierung zu entgehen. Im Namen der Redaktion wünsche ich Ihnen eine anregende KiM-Lektüre.

  

Ihr

Christoph Seitz