KiM März 2020
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Editorial August September 2020

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Silke Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

der allererste Satz im deutschen Grundgesetz lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Vor diesem Hintergrund ist es mehr als bedenklich, wenn es in unserer Gesellschaft immer selbstverständlicher wird, andere in öffentlichen Auseinandersetzungen oder auch anonym im Internet herabzuwürdigen, nur, weil sie eine andere politische Meinung oder einen anderen Glauben haben. Oder wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Oder aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft. Alle Populisten dieser Welt arbeiten mit dieser Methode, die die Nazis in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts perfektioniert hatten: diejenigen, die nicht ihren eigenen Vorstellungen folgen, zu diffamieren und ihnen damit ihre Würde abzusprechen oder sie zumindest madig zu machen. Aber auch im ganz normalen Alltag bei ganz normalen Menschen geschieht Ähnliches immer wieder. Und es könnte deswegen durchaus wichtig und erhellend sein, auch einmal das eigene Denken und Agieren daraufhin „abzuklopfen“. Was ist zum Beispiel, wenn ein Mensch im Altwerden oder womöglich auch schon deutlich früher seine geistige Orientierungs- und Ausdrucksfähigkeit Schritt für Schritt verliert und am Ende womöglich gänzlich einbüßt? Wenn er oder sie sich gar nicht mehr ins Verhältnis und auseinander setzen kann? Gibt es einen Punkt, an dem man nur noch von einem eingeschränkten Menschsein sprechen kann? Kaum etwas fürchten viele ältere Menschen in unserem Land so sehr wie das Abgleiten in eine Demenz. Schon heute leiden fast 1,6 Millionen Deutsche an Demenz. Und ihre Zahl steigt nach dem Herausrechnen der Sterbefälle pro Jahr kontinuierlich um etwa 40.000. Diese Entwicklung ist eine der ganz großen gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre. Und, wie unser Titelthema-Autor Hans- Martin Rieger zu Recht sagt, „ein Testfall für die Würde des Menschen“. Rieger beschäftigt sich schon länger wissenschaftlich mit diesem Thema. Und wir sind sehr dankbar, dass er extra für die KiM einen Artikel geschrieben hat, in dem er uns als Nicht-Wissenschaftler in diese wichtigen, aber auch nicht ganz einfachen Grundfragen des Lebens hineinnimmt. Wir würden uns freuen, wenn dieser oder vielleicht auch einer der vielen anderen Artikel dieser KiM Ihr Interesse findet!

 

Im Namen der Redaktion grüßt Sie herzlich

 

Ihr

Christoph Seitz