Aufnahme von Flüchtlingen ist Auftrag christlichen Handelns

Resolution der Landessynode zur aktuellen Flüchtlingssituation

Morschen (medio). In einer Resolution zur aktuellen Flüchtlingssituation hat sich die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck eindeutig zur Aufnahme von Flüchtlingen positioniert. So heißt es wörtlich: „Für die Aufnahme von Flüchtlingen mit Wort und Tat zu sorgen, ist Auftrag christlichen Handelns.“ Vorerst eine Million Euro zur Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements In der Verlautbarung wird gewürdigt, dass sich bereits seit vielen Monaten viele Haupt und Ehrenamtliche für die Aufnahme und Begleitung von Flüchtlingen engagierten. Diese setzten sich für eine Willlkommenskultur ein und stellten sich fremdenfeindlichen Angriffen entgegen. „Sie geben damit ein lebendiges öffentliches Zeugnis christlicher Nächstenliebe.“ Um dieses vielfältige Engagement in den Gemeinden und in der Diakonie zu fördern, hat die Landessynode beschlossen, vorerst eine Million Euro zur Verfügung zu stellen. Gemeinden sollen in ihrem Engagement nicht nachlassen Die Landessynode bittet die Gemeinden, „in ihrem Engagement für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen nicht nachzulassen“. Dies könne unter anderem bedeuten, dass in den Gemeinden Unterkünfte für Flüchtlinge bereitgestellt würden. Das könne weiterhin heißen, dass in Gottesdiensten oder bei anderen Veranstaltungen über die Ursachen von Flucht und Vertreibung aufgeklärt und interkulturelle und interreligiöse Lernprozesse gefördert würden. Flüchtlingsarbeit im Bildungsbereich soll gestärkt werden Ebenfalls spricht sich die Landessynode für eine Stärkung der Flüchtlingsarbeit im Bildungsbereich aus. Sie bittet den Rat der Landeskirche, dafür einzutreten, dass die Tageseinrichtungen für Kinder bei der Aufgabe der Integration von Kindern aus Flüchtlingsfamilien unterstützt werden, dass Schulpfarrer und -pfarrerinnen ein Stundenkontingent für die Arbeit mit Flüchtlingen erhalten und dass in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen Plätze zur Beschulung und zur Qualifikation von Flüchtlingen bereitgestellt werden. (26.11.2015)

Editorial November 2018

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Silke Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

in den vergangenen Jahren wurde dem Islam sehr häufig ein ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt unterstellt. Vorgehalten werden dessen Vertretern dann gerne Suren aus dem Koran, die zum Kampf gegen Andersgläubige und zur Eroberung der Welt aufrufen. Fakt ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten viel Gewalt im Namen Allahs verübt wurde, allen voran durch Terrorgruppen wie Al-Quaida und Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates. Fakt ist, dass es auch in Deutschland muslimische Gruppen und Moscheen gibt, die einer radikalisierenden Auslegung des Korans zugetan sind. Fakt ist aber auch, dass die überwiegende Mehrheit der Muslime nicht nur in unserem Land diese gewaltbereite Auslegung des Koran entschieden ablehnen und sich für ihre Lebensausrichtung eher auf die Suren im Koran berufen, die zu einem friedvollen Umgang mit den Mitmenschen aufrufen. Was wir Christinnen und Chris ten oft vergessen: Auch in der Bibel gibt es viele Abschnitte, die im Namen Gottes zur Gewalt aufrufen und die in der Geschichte der Christenheit oft als Rechtfertigung für gewaltvolles Handeln herhalten mussten. Selbst nach Reformation und Aufklärung war es in der Nazizeit möglich, Antisemitismus und die millionenfache Ermordung von Juden mit Stellen aus dem Johannesevangelium zu sanktionieren. Noch heute werden weltweit Homosexuelle von Christinnen und Christen unter Berufung auf einzelne Sätze aus Paulusbriefen diskriminiert und verfolgt. Und mitten in Deutschland wird die körperliche Züchtigung von Kindern immer noch gerne gerechtfertigt mit dem einem biblischen Satz aus dem Buch der Sprüche: „Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn; aber wer ihn lieb hat, züchtigt ihn beizeiten.“ (Spr. 13,24) Professor Rainer Kessler setzt sich in unserem Themenartikel mit einer der gewaltvollsten Erzählungen der Bibel auseinander und macht deutlich, wie nötig ein differenzierter Umgang mit der Quellschrift unseres christlichen Glaubens ist und bleibt, um der Gefahr der Einseitigkeit und der Radikalisierung zu entgehen. Im Namen der Redaktion wünsche ich Ihnen eine anregende KiM-Lektüre.

  

Ihr

Christoph Seitz