Leben, als ob es Gott gibt

Anregungen für die Fastenzeit

Kein Fernsehen, auf Alkohol verzichten oder auf Süßigkeiten, das sind fast schon Klassiker in der siebenwöchigen Fastenzeit. Doch der Kreativität bei Fastenvorhaben sind kaum Grenzen gesetzt. Der ökumenische Verein „Andere Zeiten“ – bekannt durch den Adventskalender „Der andere Advent“ – bietet in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern Fas tenbriefe an, die den Mitfastenden wöchentlich gegen eine Gebühr von insgesamt 9,50 Euro zugeschickt werden. Außerdem unterhält er im Internet ein Fastenforum, in dem sich Menschen auf dem Weg in Richtung Ostern austauschen können. Mit Ideen für die Fastenzeit kennen sie sich bei „Andere Zeiten“ also aus. Redakteurin Iris Macke hat für uns ungewöhnliche Fastenvorhaben gesammelt, vielleicht auch als Anregung für Sie:
– Aufs Handy verzichten
– Nicht immer das letzte Wort haben
– Lächeln
– Weniger urteilen
– Täglich 15 Minuten auf die Stille hören
– Kein Radio nebenbei laufen lassen
– Abends für drei Dinge danken
– Das Lukasevangelium lesen
– Wasser statt Saft und Softdrinks trinken
– Täglich einem Obdachlosen Geld geben
– Gemeinsam mit anderen essen
– Fair gehandelten Kaffee trinken
– Ja sagen
– Keinen „Coffee to go“ kaufen
– Nicht fluchen
– Selber Brot backen
– Vor Mitternacht schlafen
– Kein Auto benutzen
– Müll vermeiden
– Ein vergessenes Hobby wieder aufnehmen
– Sport treiben
– Andere loben
– Sich eine halbe Stunde Zeit für einen Menschen nehmen
– Bioprodukte kaufen
– Einmal am Tag etwas Mutiges tun
– Keine Lebensmittel wegwerfen
– Auf Fleisch verzichten
– Den Tag mit einem Lied beginnen
– Sich jeden Tag von etwas Überflüssigem trennen
– Nein sagen lernen
– Auf Ebay verzichten
– Leben, als ob es Gott gibt

Olaf Dellit
Internet: www.anderezeiten.de

Editorial Mai 2021

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Silke Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

vielleicht erinnern Sie sich: Im Mai des vergangenen Jahres gab es eine „Mut-Mach-KiM“. Unter dem Schock des ersten Lockdowns, bei dem auch alle Gottesdienste verboten waren, haben viele Menschen aus unseren Gemeinden davon berichtet, was ihnen in dieser Lage Mut macht. Ein Jahr später aber stellt sich angesichts allgemeiner Erschöpfung, Dünnhäutigkeit, Ungeduld und Polarisierung mit Nachdruck die Frage: Was hat wirklich getragen in dieser Zeit, deren Ende noch nicht wirklich absehbar ist? Was ist womöglich sehr fraglich geworden? Und was hat sich vielleicht ganz neu entwickelt? Und wieder haben sich einige Menschen gefunden, die uns teilhaben lassen an ihrer ganz persönlichen „Corona-Zwischenbilanz“. Vielen Dank dafür! Und vielleicht ist da etwas dabei, was Ihnen Anregung ist für Ihr eigenes Nachdenken über all das. Ich persönlich merke, dass mich in den zurückliegenden Monaten immer öfter sehr grundsätzliche Fragen beschäftigen: die in der Pandemie sichtbar gewordenen höchst fragwürdigen Arbeitsbedingungen von so vielen Menschen im Krankenhaus oder in der Pflege zum Beispiel; oder die Situation von Kindern in prekären Lebensverhältnissen; einsame Alte und Alleinstehende; die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich – bei uns und in aller Welt. All das und noch so vieles mehr kommt ja nicht von ungefähr, war schon vor Corona da. Entspringt vielen grundsätzlichen Prämissen unseres Lebens und Wirtschaftens. Aber werden wir es wagen, entlarvte Irrwege zu verlassen und vieles einmal ganz neu zu denken und zu gestalten – in unserer Gesellschaft, global und auch in unseren Gemeinden? Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt nur ein „Weiter-wie-vor-Corona“ anstreben! Meine Hoffnung wäre, dass wir als Christinnen und Christen näher zusammenrücken – über alle Konfessions- und Gemeindegrenzen hinweg und uns noch viel stärker vernetzen mit all denen in unserer Stadt, die zum Wohle der Schwächeren und der geschundenen Natur eben nicht weiter machen wollen, wie vor Corona! Im besten Fall liegt eine kreative und erlebnisreiche Zeit vor uns mit einem deutlich gestärkten Miteinander! Viel gute Inspiration beim Lesen dieser KiM wünscht Ihnen im Namen der ganzen Redaktion

 

Ihr

Christoph Seitz