KiM August/September 2019
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Kirchenvorstandswahl 2019
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Editorial Oktober 2019

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Silke Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

immer wieder kommt es vor, dass Begriffe, die eigentlich etwas sehr Wichtiges beschreiben, durch unterschiedliche Deutung und zum Teil missbräuchliche Verwendung mit der Zeit immer mehr an Kraft und Wert verlieren. „Meinungsfreiheit“ ist so ein Begriff. Für viele Menschen heute – auch in der großen Politik – ist „Meinungsfreiheit“ zur „Freiheit fürs Lügen und Manipulieren“ geworden. Oder der Begriff „Menschenwürde“. Will irgendjemand ernsthaft behaupten, dass die europäische Staatengemeinschaft die Würde der geflüchteten Menschen auf den Rettungsschiffen im Mittelmeer oder in den überfüllten Lagern auf Lesbos noch ernst nimmt? Schon lange an Kraft und Wert verloren hat auch der Begriff, dem sich das Titelthema dieser KiM widmet: der Begriff „Sünde“. In vielen Gesangbuchlieder und liturgischen Gottesdienstelementen kommt dieser Begriff zwar vor. Und auch für die Theologie eines Martin Luther hat er eine entscheidende Rolle gespielt. Aber mit den Jahren ist er für die meisten Menschen mehr oder weniger inhaltsleer geworden. Wahrscheinlich auch dadurch, dass „Sünde“ über viele Jahrhunderte hinweg fast nur moralisch und auf Sexualität hin gedeutet wurde – immer wieder auch mit dem Ziel, Menschen in Angst und Abhängigkeit zu halten. Von anderer Seite gibt es Tendenzen der Banalisierung: „Wir sind alle kleine Sünderlein“ heißt es in einem alten deutschen Schlager. Und da sind wir dann schnell bei der kleinen süßen Schokoladensünde vor dem Einschlafen. Dass aber das, was der Begriff „Sünde“ ursprünglich meint, wichtig und hochaktuell ist, versucht Prof. Thorsten Dietz mit den Überlegungen zu veranschaulichen, die er uns dankenswerter Weise als Themenartikel zur Verfügung gestellt hat. Und das ist gut! Denn es könnte durchaus sein, dass ein neues Verstehen von „Sünde“ uns zu einem klareren und eigentlicheren Leben hilft. Möge Ihnen dieser Oktober- KiM viel Lesevergnügen bringen und den ein oder anderen Erkenntnisgewinn! Im Namen der Redaktion grüßt Sie herzlich

  

Ihr

Christoph Seitz