KiM Oktober 2016
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Editorial Oktober 2016

Christoph Seitz, Chefredakteur
Christoph Seitz Redaktionsleitung (Foto: Marie Seitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

 

das Wort „Reform“ wird in unseren Tagen inflationär benutzt: Jede kleine Gesetzesänderung, jede kleine Umorganisation, jeder noch so kleine Schritt in eine andere Richtung wird uns als große Reform verkauft. „Reform“ kommt ja aus dem Lateinischen: Re = zurück und formatio = Gestaltung. Eine „Reform“ ist also wörtlich eine „Zurückgestaltung“. Ein in Vergessenheit geratener Grund, ein aus dem Blick verlorenes Fundament wird erinnert, wieder entdeckt, ins Gespräch gebracht, angewendet als Maßstab für gegenwärtiges Handeln, Entscheiden und Gestalten. „Back to the roots“ – sozusagen. So, wie bei den Reformatoren damals vor 500 Jahren: Sola gratia, sola fide, sola scriptura, solus Christus (allein Gottes Gnade, allein der Glaube, allein das biblische Zeugnis, allein Jesus Christus) – auf diesen vier wiederentdeckten Fundamenten traten sie ein in eine kritische Auseinandersetzung mit der Kirche ihrer Tage in der Hoffnung auf deren innere und äußere Erneuerung. Die Gründung einer ganz neuen Kirche war dabei ursprünglich gar nicht im Blick. Der Duden definiert das Wort „Reform“ als eine „planmäßige Neuordnung, Umgestaltung, Verbesserung des Bestehenden (ohne Bruch mit den wesentlichen geistigen und kulturellen Grundlagen)“. Viele unserer heutigen Reformen (auch in der Kirche) orientieren sich allerdings fast ausschließlich an Kassenlage oder unterschiedlichsten Zukunftsprognosen, anstatt auch unsere (christlichen und demokratischen) Fundamente und Wurzeln zu berücksichtigen und ernst zu nehmen. Im Oktober beginnt das Jahr, in dem in vielen Veranstaltungen und Gottesdiensten der Reformation vor 500 Jahren gedacht wird. Freuen Sie sich auf den erhellenden Artikel von Dekan Burkhard zur Nieden zur Geschichte der Reformationsjubiläen und der spannenden Frage, wer da in früheren Jahrhunderten mit welchem Interesse feiern wollte und wer es mit welchem Interesse 2017 tun will. Herzlich grüßt im Namen der ganzen Redaktion

  

Ihr

Christoph Seitz